Warum das Verurteilen anderer uns selbst am meisten schadet

Du erwischst dich jeden Tag mehrmals dabei, wie du andere Menschen, ihre Handlungen, ihre Meinungen, ihre Aussagen verurteilst? Wie du – in so gar nicht yogischer Manier – denkst „Was redet der wieder für einen Blödsinn?“ oder „Warum muss sie mich immer wiederdurch ihr Verhalten enttäuschen?“ Dann weißt du sicher auch, was dann innerlich in dir emotional abgeht. Du brodelst, wirst traurig, wirst wütend, wendest dich von der entsprechenden Person ab und empfindest ein ganzes Feuerwerk an negativen Gefühlen.

Das Ego will Futter

In solchen Momenten spricht dein Ego extrem laut zu Dir. Es holt sich durch die vielen Urteile seinen totalen Energiekick und plustert sich auf, dass es fast platzen könnte vor lauter Größe. Warum das Ego Urteile so dringend braucht? Es holt sich dadurch die Bestätigung, dass es alles besser weiß, dass es selbst das richtige Lebensrezept hat, dass es uns schon sagt, wo es langgeht.

Es gaukelt uns dadurch etwas vor, um all unsere eigenen Unsicherheiten und Makel zu verdrängen. „Bloß nicht mit mir selbst auseinandersetzen, lieber die anderen verurteilen“ ist hier die Devise. Das mag eine Zeit lang oberflächlich betrachtet auch ganz gut funktionieren, das Problem ist nur, dass wir irgendwann merken: Verurteilen macht einsam und entfernt uns ganz weit von unserer inneren Mitte.

Die negativen Auswirkungen vom Verurteilen

In dem Moment, in dem du andere verurteilst, verletzt du dich selbst, denn indem du alle anderen nicht so annimmst wie sie sind, kannst Du auch dich selbst nicht in deiner Ganzheit mit all deiner vollkommenen Unperfektheit annehmen. Während du dich auf das vermeintliche „Fehlverhalten“ eines anderen Menschen konzentrierst und ihn dafür verurteilst, strafst du auch dich selbst ab. Denn du vermittelst in dem Moment dir selbst die Botschaft, dass man „perfekt“ sein muss, um von dir geliebt zu werden und das schließt dich selbst mit ein.

Verurteilen hat sogar noch mehr negative Auswirkungen. Du konzentrierst dich nur noch auf die negativen Seiten eines Menschen. Alles was du eigentlich an der Person magst wird abgewertet und spielt plötzlich keine Rolle mehr. Und je mehr du in den Widerstand zu einem bestimmten Verhalten anderer Menschen gehst, desto mehr rufst du genau dieses Verhalten bei ihnen hervor. Denn du beginnst dich unbewusst so zu verhalten, dass du genau dieses Verhalten provozierst.

Gedanken-Spirale

So richtig verstanden habe ich das, als ich “Die Geschichte mit dem Hammer” von Paul Watzlawick gelesen habe. Es geht darum, dass ein Mann sich einen Hammer von seinem Nachbarn ausleihen möchte. Doch statt einfach direkt zu handeln und den Nachbarn zu fragen, ob er ihm seinen Hammer kurz ausleihen könnte, beginnt er nachzudenken. Er grübelt darüber nach, dass der Nachbar ihn am Tag zuvor schon so eigenartig gegrüßt hätte und beginnt sich richtig in diese argwöhnischen Gedanken hinein zu steigern, bis er richtig wütend wird. Er stürmt zu seinem Nachbar und brüllt ihn an “Behalten Sie Ihren Hammer!”.

Damit endet die Geschichte doch man kann sich vorstellen, dass der Nachbar nicht gerade freundlich reagieren und seinem Nachbarn den Hammer sicher nicht ausleihen wird. Es hätte aber auch ganz anders laufen können, wenn der Mann vorurteilsfrei an die Tür seines Nachbarn geklopft hätte. Vielleicht wären die beiden sogar gute Freunde geworden. Die Geschichte zeigt so schön anschaulich, wie unsere Gedanken unser Verhalten anderen gegenüber beeinflussen und wie zerstörerisch Vorverurteilungen sind.

Das Ego möchte groß sein

Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe jahrelang sehr viel verurteilt. Das hatte auch viel damit zu tun, dass ich alles unter Kontrolle haben wollte. Mein Ego hat mir durch die vielen schnellen Urteile das Gefühl vermittelt, dass ICH alles richtig mache, dass ICH weiß, wie sich der andere verhalten sollte, dass ICH mir über alles sicher bin.

Pustekuchen. Eigentlich war da eine große Unsicherheit. Eine Unsicherheit darüber, ob ich mich richtig verhalte, ob ich ok bin wie ich bin, ob ich den richtigen Weg gehe. Ganz viele Fragezeichen und Urteile mir selbst gegenüber in meinem Kopf. Das ist mir aber erst bewusst geworden, als ich angefangen habe, nach innen zu schauen statt mich nur auf das Außen, die anderen zu konzentrieren.

Die eigenen Schattenseiten annehmen

Du möchtest dein ständiges Urteilen auflösen? Dann fang bei dir selbst an! Schau mal, was dich an dir selbst nervt. Wo du dich selbst richtig blöd findest. Wo du dich maßregelst und zurechtweist. Und dann beginne, in diesen Situationen liebevoller mit dir umzugehen und diese Anteile von dir anzunehmen.

Auch deine “Schattenseiten” gehören zu dir und machen dich zu dem Menschen der du bist. Deine makellosen Körperteile und deine Leberflecken, dein zauberhaftes Lächeln und dein schmerzverzerrtes Gesicht, deine Talente und deine “Fehler”. Das bist alles du und das macht deine perfekte Unvollkommenheit aus.

Wenn du also das nächste Mal denkst: „Schon wieder bin ich unpünktlich, ich werde das wohl nie lernen“ dann halte inne und formuliere nochmal neu: „Ich akzeptiere, dass meine Unpünktlichkeit ein Teil von mir ist. Das ist ok. Und ich liebe mich trotzdem aus tiefstem Herzen“. Und dann entspanne dich wieder statt dich zu ärgern.

Je öfter du es schaffst, liebevoll mit dir zu sprechen, auch wenn Du deiner Meinung nach etwas verbockt hast, einen Fehler gemacht hast oder es dir nicht gut geht, desto mehr wirst du auch andere Menschen mit ihren vermeintlichen Makeln annehmen können. 

Lass dein Urteil los

Und wie sollst du dich jetzt anderen gegenüber verhalten? Sollst du nur noch mit der Friedenspfeife herumlaufen und alles gutheißen was andere tun? Nein, darum geht es nicht. Aber du kannst lernen, das Verhalten anderer nicht persönlich zu nehmen und Abstand zu deiner Ablehnung zu entwickeln.

Wenn dich wieder jemand nervt, dann denke dir innerlich „Ich urteile da jetzt nicht drüber. Ich lasse los.“ Ein hilfreiches Mantra kann auch sein: Es ist wie es ist. Du musst dann nicht mehr gleich reagieren, wirst ruhiger und kannst der anderen Person ohne Groll begegnen. Und das kann schon ganz viel verändern.

Ich wünsche Dir, dass du die perfekte Unvollkommenheit in dir und allen anderen zu schätzen lernst!

Alles Liebe

Meike

 

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