Achtgliedriger Pfad – Dein Weg zur inneren Freiheit

Wenn du, wie die meisten Menschen, vor allem aus körperlichen Gründen und zur Entspannung mit Yoga begonnen hast, dann hast du bisher wahrscheinlich noch nichts vom Achtgliedrigen Pfad oder anderen philosophischen Schriften über Yoga gehört. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn anfangs ist es völlig ausreichend, sich mit sich, seinem Körper und der Atmung auseinanderzusetzen.

Auch meine Yogalehrer haben nur ab und an etwas zu der Philosophie und den Hintergründen des Yoga in den Unterricht einfließen lassen aber da es sich immer nur um winzige Ausschnitte handelte, konnte ich nicht ahnen, was sich für ein wahnsinnig umfangreiches und spannendes Feld auftut, wenn man den Blick Richtung Yoga-Philosophie wagt.

Im Zuge meiner Ausbildung zur Yogalehrerin habe dann meine ersten tieferen Einblicke in die Yogaphilosophie erhalten, Bücher gelesen und Seminare zur Yogaphilosophie besucht. Es hat mich tief beeindruckt, was für ein Schatz da zutage getreten ist und wie viel es da zu entdecken gibt.

Da ich auch gerne schon früher in meiner Praxis mehr über die Yoga-Philosophie gewusst hätte und man vieles für sich aus den Texten ziehen kann, möchte ich euch auf dem Blog die ein oder andere Schrift vorstellen. Heute möchte ich euch zum Einstieg das Yogasutra von Patanjali vorstellen und ein bisschen die Hintergründe erläutern.

Das Yogasutra – Die Hintergründe

Das Yogasutra (sutra=Leitfaden) ist eine der wichtigsten und ältesten überlieferten Schriften über Yoga und war auch für mich der erste philosophische Text, den ich gelesen habe. Es wird oft als Grundlagentext schlechthin des Yoga bezeichnet. Faszinierend daran ist, dass dieser etwa 2000 Jahre alte Text nach wie vor sehr lebensnahe Vorgehens- und Verhaltensweisen beschreibt, wie man innere Freiheit erlangen kann.

Das Yogasutra ist im Sanskrit (Alt-Indisch) verfasst und besteht aus 195 Versen. Der Legende nach wurde das Yogasutra von Patanjali verfasst, der eine inkarnierte Schlange war, die den Menschen auf Befehl des Gottes Vishnu eine praktische Yogaform überbringen sollte. 

Die Verse sind sehr knapp formuliert und enthalten viel Raum zur Interpretation. So wurde diese Schrift auch schon unzählige Male von verschiedenen Philosophen und Autoren interpretiert.

Ich habe die Interpretation von Ralph Skuban gelesen und fand sie gut verständlich und sehr nachvollziehbar in unseren zeitlichen Kontext eingebettet. Zurzeit lese ich eine Interpretation von Nischala Joy Devi, die das Sutra aus weiblicher Sicht interpretiert, was unheimlich spannend ist.

Ganz gleich, welche Interpretation man liest, man sollte nie vergessen, dass es sich um eine subjektive Auslegung handelt und jeder etwas Anderes für sich aus den Versen ziehen kann.

Das Yogasutra – Die acht Glieder

Patanjali beschreibt acht Glieder auf dem Yogapfad, die allerdings nicht als linearer Weg in der aufgeschriebenen Reihenfolge betrachtet werden sollten. Sie bilden vielmehr eine Einheit und erst wenn es gelingt, alle Glieder ins Leben zu integrieren und zu praktizieren, ist man wirklich frei und der Erleuchtung nahe.

Der achtgliedrige Pfad

1. Yamas – der Umgang mit der Umwelt
2. Niyamas – der Umgang mit sich selbst
3. Ãsanas – der Umgang mit dem Körper
4. Prãnãyãma – der Umgang mit dem Atem
5. Pratayãhãra – der Umgang mit den Sinnen
6. Dhãranã – Konzentration
7. Dhyãna – Meditation
8. Samãdhi – das Höchste: die innere Freiheit

Die Yamas und Niyamas, erstes und zweites Glied auf dem Yogaweg, sind nochmals in Unterpunkte unterteilt:

Yamas – Der Umgang mit der Umwelt

  1. Ahimsa (Gewaltlosigkeit)
  2. Satya (Wahrhaftigkeit)
  3. Asteya (Nicht-Stehlen)
  4. Brahmacharya (Maßhalten)
  5. Aparigraha (Nicht-Horten)

Niyamas – Der Umgang mit Dir

  1. Shauca (Reinheit)
  2. Santosha (Zufriedenheit)
  3. Tapas (Selbstdisziplin)
  4. Svadhyaya (Selbststudium, Selbstreflexion)
  5. Ishvara Pranidhana (Vertrauen in eine höhere Kraft)

Auf die ethischen Regeln der Yamas und Niyamas werde ich in einem anderen Post nochmal tiefer eingehen. Wenn Du jetzt schon mehr dazu lesen möchtest, schau mal hier. Christina vom happymindmagazine hat auf sehr unterhaltsame und humorvolle Weise zusammengefasst, wie die einzelnen Yamas und Niyamas im Alltag gelebt werden können.

Entwicklung zum modernen Yoga

Dass Yoga früher nicht ansatzweise so körperbetont war wie heute, sieht man daran, dass Ãsanas nur einen Schritt im achtgliedrigen Pfad des Yoga darstellen. Es ging bei den früheren Formen des Yoga vielmehr um Meditation und um das Zurückziehen der Sinne (Raja Yoga), um das Lesen und Rezitieren von Schriften (Jnana Yoga), das Singen von Mantren (Bhakti Yoga) und um selbstloses Handeln (Karma Yoga).

Ãsanas waren lediglich dazu gedacht, den Körper auf die Meditation vorzubereiten, so dass man beim langen Sitzen nicht so schnell Schmerzen bekam.

Insbesondere mit der Verbreitung des Yoga im Westen rückten das Lesen der Schriften, das Singen der Mantren, die Meditation, und die Atemtechniken in den Hintergrund und die körperlichen Übungen rückten in den Fokus.

Während einige Yogis diese Entwicklung verurteilen, bin ich der Meinung, dass sich jedes System mit der Zeit verändert und den Gegebenheiten anpassen muss. Da wir im Westen kulturell anders geprägt sind als die die Menschen in Indien und wir die körperliche Betätigung in unserer beschleunigten Welt heute oft brauchen, um im Geist Ruhe zu finden, ist es meiner Meinung nach völlig legitim, dass wir die Ãsanas in den Vordergrund stellen. Wichtig ist nur das Bewusstsein dafür, woher sie kommen und dass sie eben ursprünglich nur EIN Glied des Yogapfades sind.

Über den Yogaunterricht kommen letztlich ohnehin viele Menschen dann nach und nach auf den Geschmack und interessieren sich auch immer mehr für Atemtechniken, Meditation, Ernährungsweisen, Mantren, die Yogaphilosophie usw. Das ist im Prinzip ein ganz natürlicher Prozess, der über den Körper in Gang gesetzt wird.

So war es auch bei mir und ich habe das Gefühl, mein Yogaweg hat mit der Ausbildung überhaupt erst begonnen. Die Wandlung, die man durch Yoga erfährt, geht sehr tief und ist systemisch, verändert also nach und nach alle Bereiche in deinem Leben.

Ich fand es daher wahnsinnig hilfreich und faszinierend, das Yogasutra zu lesen, da diese Schrift einem Orientierung auf dem eigenen Weg bietet und aufzeigt, WIE allumfassend Yoga tatsächlich ist. Für den Alltag enthält das Yogasutra auch heute noch sehr lebensnahe Anregungen, die in hochphilosophische Impulse verpackt sind. 

Wenn Du jetzt neugierig geworden bist und das Yogasutra gerne lesen möchtest, habe ich Dir die beiden Ausgaben, die ich lese, bzw. gelesen habe, verlinkt. Viel Freude damit!

Deine Meike

 

 

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