Entschleunigt leben – Wie Du wieder mehr zur Ruhe kommst

Fühlst Du dich oft wie in einem Hamsterrad und würdest gerne mal die Stopp-Taste drücken um durchzuatmen aber deine innere Unruhe treibt dich immer weiter an?

Das Gefühl kenne ich sehr gut. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich ständig in Aktion war und es kaum eine ruhige Minute gab. Ich dachte in dieser Zeit, dass es nicht anders ginge und mein Studium und all meine Verpflichtungen mich dazu zwingen würden, so beschleunigt zu leben.

Bis mir klar geworden ist, dass das nicht stimmt und hinter diesem unfassbaren Tempo, mit dem viele von uns durch ihr Leben rasen, etwas ganz anderes steckt. Viele von uns befinden sich auf der Flucht vor ihren Gefühlen.

Die Folge davon ist, dass wir unsere Erlebnisse gar nicht mehr richtig verarbeiten können, weil auf jeden Eindruck direkt ein neuer folgt. Wir sind „überreizt“, unsere Nerven liegen blank und wir sind nicht mehr in der Lage, das Leben zu genießen.

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann möchte ich dir heute Anregungen geben, wie Du wieder mehr innere Ruhe finden und deinen Alltag entschleunigen kannst.

1. Mit deinen Gefühlen sein

Um innerlich ruhiger zu werden ist der erste Schritt zu lernen, mit den eigenen Gefühlen zu sein. 

Wie ich bereits geschrieben habe, hängt unser Tempo häufig damit zusammen, dass wir vor bestimmten Gefühlen flüchten. Solange wir aktiv sind, müssen wir diese Gefühle nicht spüren und können wortwörtlich vor ihnen weglaufen.

Das Problem ist allerdings, dass diese Gefühle davon nicht kleiner werden, im Gegenteil. Dadurch, dass wir sie verdrängen, werden sie immer größer und wir verspüren dadurch meist Verspannungen und Druck im Körper.

Solange wir uns also auf der Flucht vor unseren Gefühlen befinden, können wir nicht entschleunigt leben, weil wir es dann gar nicht aushalten können, dass unser Leben langsamer und bewusster verläuft.

Im Prinzip ist es ganz simpel, unsere innere Anspannung und unsere Fluchtgedanken aufzulösen: Wir dürfen uns erlauben, das entsprechende Gefühl voll und ganz zu fühlen und anzunehmen. Wenn wir das erlauben, dann verabschiedet sich das Gefühl auch wieder.

Allerdings haben wir oft Angst davor, bestimmte Gefühle zu fühlen. Oftmals ist jedoch die Angst vor dem Gefühl größer als das Gefühl an sich. Was ist letztlich so unglaublich schlimm daran, einmal bitterlich zu weinen, die ganze Wut über etwas zu fühlen oder die volle Enttäuschung über etwas zuzulassen? Ja, es kann verdammt weh tun. Aber wenn Du den Schmerz einmal voll annimmst, erlaubst Du dir zu heilen und das ist eine unglaubliche Befreiung.

Sollte es sich bei dir um traumatische Gefühle handeln, dann ist auch absolut nichts Verkehrtes daran, dir einen Therapeuten oder eine Therapeutin zu suchen. Du musst nicht alles alleine schaffen.

2. Auf deinen Körper hören

Bei mir hat sich meine innere Unruhe langsam aufgelöst, als ich mit Yoga begonnen habe. Yoga hat mir geholfen, aus meinem Kopf mehr in meinen Körper zu kommen und wirklich auf seine Bedürfnisse zu hören.

Unser Körper ist sehr weise und wenn wir lernen, bewusst auf ihn zu hören, dann verändert sich wahnsinnig viel zum Positiven in unserem Leben.

Ganz oft überhören wir jedoch die Signale unseres Körpers im Alltag und treiben ihn mit der Peitsche zu immer mehr Leistung an, obwohl unser Körper mit vielen kleinen oder auch größeren Zeichen wie körperlichen Zipperleins oder sogar Krankheiten regelrecht nach Ruhe und Aufmerksamkeit schreit.

Unsere Ignoranz gegenüber unserem Körper entsteht meist dadurch, dass wir im Arbeitsalltag so sehr in unserem Kopf feststecken, dass wir unseren Körper gar nicht mehr spüren. Wir vergessen zu trinken, zu essen und uns zu bewegen. Der Atem ist dann meist sehr flach, die Füße und Hände kalt. Wir sind wie abgeschnitten von unserem Körper, um ja nichts fühlen zu müssen.

Wenn wir unseren Körper so sehr ignorieren, sind wir so angefüllt mit Eindrücken und angestauten Gefühlen und unser Körper so stark an seinem Leistungslimit, dass wir bei jeder Kleinigkeit aus der Haut fahren und nichts mehr so richtig genießen können. Es ist einfach kein Platz mehr für Neues weil wir das Vorherige Erlebnis nicht ansatzweise verdaut haben.

Wir dürfen dann lernen, wieder ganz präsent zu werden in unserem Körper und ihn wieder wirklich zu spüren. Dafür musst Du nicht unbedingt Yoga machen, Du kannst auch regelmäßig die Übung aus meinem Entschleunigungs-Guide anwenden, für den Du dich unter diesem Beitrag kostenlos eintragen kannst.

Wenn dich interessiert, warum Yoga so hilfreich ist, um innerlich zur Ruhe zu kommen, dann lies mal meinen Artikel Wie Yoga dich von innerer Unruhe befreit. In diesem Beitrag habe ich ausführlicher darüber geschrieben. 

Wenn wir gelernt haben, präsenter im Körper zu werden, können wir im nächsten Schritt lernen, wieder auf die Bedürfnisse unseres Körpers zu hören. Das bedeutet, dass wir im Alltag achtsam sind und beispielsweise Wasser trinken, wenn wir Durst, haben, uns bewegen, wenn wir lange gesessen haben und tief durchatmen, wenn wir viel erlebt haben.

Nur wenn wir unserem Körper Zeit geben, um all die Eindrücke und Gefühle die tagtäglich auf uns einprasseln, zu verarbeiten und zu verdauen, können wir uns überhaupt auf neue Erfahrungen einlassen.

3. Aktive Entspannung

Oft glauben wir, dass wir uns entspannen, wenn wir passiv sind und uns berieseln lassen z.B. beim Fernsehen oder wenn wir durchs Internet surfen. Wirklich beruhigend wirkt diese passive Entspannung jedoch nicht auf unseren Körper und unseren Geist. Wir bauen dabei keine Stresshormone ab und können Erlebtes nicht verarbeiten, weil unser Geist schon wieder mit neuem Input beschäftigt ist.

Wenn Du also nach wirklicher Erholung suchst, solltest Du dich mehr auf aktive Entspannung fokussieren. Dazu zählen zum Beispiel Entspannungsübungen, Meditation, Sport, Spazieren gehen und Tagebuch schreiben.

Was dir wirklich Ruhe und Entspannung gibt, kannst aber letztlich nur Du sagen.

Ich kann mich zum Beispiel sehr gut entspannen, wenn ich Bücher lese, spaziere, in mein Journal schreibe, meditiere oder Yoga mache. Bei all diesen Aktivitäten habe ich das Gefühl, dass sich mein ganzes Nervensystem beruhigt, ich innerlich ganz ruhig werde und alle Erlebnisse „verdaue“. Mein Körper und mein Geist haben die Möglichkeit in diesen Momenten alles erlebte sacken zu lassen, zu verarbeiten und zu integrieren.

Manchmal finde ich es auch sehr entspannend, Filme zu gucken, Podcasts zu hören oder Blogs zu lesen. Wirkliche Erholung auch auf tiefer körperlicher Ebene erfahre ich aber nur bei den oben beschriebenen Aktivitäten, da ich dabei nicht schon wieder neue Inhalte konsumiere, sondern mir wirklich Zeit gebe, Erlebnisse zu verarbeiten. 

Du kannst dich ja mal in den nächsten Tagen selbst beobachten und wahrnehmen, was dir wirklich Ruhe und Erholung gibt und bei welchen entspannenden Tätigkeiten Du wirklich neue Energie tankst. 

4. Kalender entrümpeln

Kommen wir jetzt zu einem ganz pragmatischen Punkt. Meist packen wir unseren Kalender viel zu voll und kriegen schon Bauchschmerzen, wenn wir nur daran denken, was in der kommenden Woche alles ansteht.

Ich kenne es auch noch sehr gut von mir, dass ich freie Lücken in meinem Kalender kaum ertragen konnte und mich oft so überladen habe mit Aktivitäten, dass selbst meine Freizeit zeitweise zum totalen Stress ausgeartet ist.

Ganz so schlimm ist es heute zum Glück nicht mehr, weil ich inzwischen schon ein viel besseres Gefühl dafür habe, wie viele Verabredungen und Termine mir in der Woche guttun.

Kürzlich war es trotzdem wieder so weit, dass ich in meinen Kalender geguckt und einen Schreck gekriegt habe, dass da schon wieder so viele Dinge stehen. Als mir das bewusst geworden ist, habe ich ganz radikal Dinge abgesagt, die nicht unbedingt sein mussten und konnte mich so wieder viel besser auf alles einlassen, was anstand.

Wenn Du ich auch allein beim Gedanken an all deine Vorhaben schon innerlich gestresst fühlst, dann schau mal, welche Termine und Verabredungen Du absagen kannst. Schaffe dir wortwörtlich wieder Raum zum Durchatmen. Je öfter Du dir erlaubst, dir nur so viel vorzunehmen wie dir wirklich gut tut, desto seltener wirst Du dich so zuschütten mit Terminen. 

Wenn sich kurzfristig wirklich gar nichts an deinem vollen Kalender ändern lässt, schaue, dass Du dich in dieser Zeit besonders gut um dich kümmerst, dir dafür viele kleine Pausen ermöglichst, dir Essen mit nimmst und ausreichend trinkst und schläfst. Überlege dir jetzt schon, wo kleine Zeiträume sind, in denen Du für 5-10 Minuten an die frische Luft gehen oder einfach für einen Moment die Augen schließen kannst. Ein paar Minuten können da schon Wunder wirken.

Langfristig kannst Du schauen, dass Du sehr bewusst mit der Zeit umgehst und dir freie Zeiträume im Kalender wie Termine blockst. Wenn ich mir einen Tag nur für mich freihalten möchte, mache ich einen Strich und zeige meinem Kopf so, dass ich mich an diesem Tag nicht verabrede, da ich schon mit mir verabredet bin.

Bleibt der Tag weiß in meinem Kalender, neige auch ich dazu, ihn doch zu verplanen. Manchmal müssen wir unser Gehirn da ein bisschen austricksen.

5. Inseln schaffen

Warum diese freien Zeiträume so wichtig sind? Weil sie uns erlauben, aus dem „Funktionieren“ auszusteigen und ohne Druck, Zwang und Erwartungen von außen reinspüren können, was WIR eigentlich brauchen, was WIR erschaffen möchten und wer WIR sind.

Wenn wir von einem Termin zum nächsten hetzen – selbst wenn es Freizeittermine sind – passiert es schnell, dass wir aus unserer Mitte fallen, nicht mehr ganz bei uns sind und uns den äußeren Umständen anpassen.  

In den Momenten, in denen wir uns wieder mehr auf unsere Insel zurückziehen (und das dürfen gerne auch mal Tage oder Wochen sein), können wir uns wieder mehr mit unserem Kern verbinden, neue Kraft tanken und Inspiration sammeln, um dann mit neuer Energie und frisch gestärkt zu neuen Abenteuern aufzubrechen.

Wenn es dir schwer fällt, dir diese Zeiten zu erlauben, weil Du Angst hast, etwas zu verpassen, ist es umso wichtiger, dass Du übst, mit dir alleine zu sein. Du wirst sonst immer dem nächsten großen Ereignis hinterherrennen ohne dich wirklich erfüllt zu fühlen.

Denn letztlich kommt es nicht darauf an, was Du erlebst oder wie viel Du erlebst, sondern darauf, wie präsent Du bei den Erlebnissen bist. Wenn Du immer auf allen Hochzeiten tanzen willst, wird es dir wahrscheinlich schwer fallen, wirklich präsent zu sein.

Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass dir die schönste Reise und die tollste Veranstaltung nichts nützt, wenn Du dich eigentlich nach Ruhe und Rückzug sehnst.

Bist Du aufgetankt, voll in deiner Mitte und mit jeder Pore präsent, fällt es dir viel leichter zu entscheiden, auf welcher Hochzeit Du wirklich tanzen möchtest und es ist tausendmal schöner, diese eine Hochzeit dann hundertprozentig genießen zu können, ohne schon an die nächsten zehn Hochzeiten zu denken.

Also erlaube dir, immer wieder einen Schritt zurückzutreten, dir Zeit für dich zu nehmen und aus dieser Ruhe heraus deine Wahl für neue Erlebnisse zu treffen. Du wirst wahrscheinlich erstaunt sein, wie viel bewusster Du diese Wahl treffen kannst.

Wenn Du jetzt ganz praktisch üben möchtest, dein Leben zu entschleunigen, dann habe ich etwas für dich. Ich habe mich für dich hingesetzt und dir zu allen Anregungen aus diesem Artikel fünf Übungen in einem kleinen Guide aufgeschrieben, mit denen Du ganz leicht in deinem Alltag üben kannst, auf die Bremse zu treten und in deine innere Ruhe zu kommen. Wenn Du diesen Entschleunigungsguide haben möchtest, klicke einfach auf den Link: ENTSCHLEUNIGUNGSGUIDE

Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Entschleunigen deines Alltags! Ich würde mich riesig freuen, von dir zu hören, wie Dir die Übungen gefallen haben und was Du in deinem Alltag verändert hast.

Schreib mir einfach eine Mail an kontakt@yogalifeandsoul.de. Ich antworte dir auf jeden Fall! <3

Alles Liebe!

Meike

Wichtiger Hinweis: Bei Krankheiten aller Art ist der Arzt oder Heilpraktiker der richtige Ansprechpartner. Dies ist nur eine oberflächliche Information und kein Diagnose oder Behandlung.

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